Strategische Portfolioplanung mit Aktien, Immobilien und Gold für langfristige Vermögensstruktur
Veröffentlicht am März 18, 2024

Die grösste Gefahr für Ihr Vermögen in der Schweiz ist nicht der Markt, sondern ein Festhalten an veralteten Regeln und psychologischen Fallen.

  • Ein übermässiger Fokus auf Schweizer Aktien („Heimatbias“) lässt Sie globale Technologietrends verpassen und schafft ein hohes Klumpenrisiko.
  • Die meisten Anleger verwechseln ihre emotionale Risikobereitschaft mit ihrer objektiven finanziellen Risikofähigkeit, was zu Fehlentscheidungen führt.

Empfehlung: Bauen Sie eine disziplinierte, global diversifizierte Strategie auf, die die einzigartigen steuerlichen Vorteile der Schweiz (keine Kapitalgewinnsteuer) für Rebalancing und De-Risking gezielt nutzt.

Ein bedeutendes Vermögen zu erben oder über Jahre hinweg aufzubauen, ist ein Meilenstein. Doch auf die erste Freude folgt oft eine lähmende Frage: Was nun? Die Standardantworten sind schnell gefunden: „Breit diversifizieren“, „Immobilien sind Betongold“ oder „Aktien für die Rendite, Gold für die Sicherheit“. Diese Ratschläge sind zwar nicht falsch, aber sie sind gefährlich unvollständig, insbesondere für Anleger in der Schweiz.

Ein Vermögensaufbau, der nur auf diesen allgemeinen Weisheiten beruht, übersieht die einzigartigen Chancen und Fallstricke des Schweizer Marktes. Er ignoriert die psychologischen Tendenzen, die Schweizer Anleger oft in die „Heimatbias“-Falle tappen lassen, und er lässt das enorme Potenzial ungenutzt, das in unserem Steuersystem schlummert. Die wahre Aufgabe liegt nicht darin, eine generische Formel aus einem Lehrbuch zu kopieren, sondern eine robuste Struktur zu schaffen, die Ihre objektive Risikofähigkeit – nicht nur Ihre emotionale Risikowilligkeit – abbildet und die steuerlichen Opportunitäten der Schweiz gezielt für sich arbeiten lässt.

Dieser Artikel ist Ihr strategischer Kompass. Er führt Sie weg von den Platitüden und hin zu einem fundierten, strukturierten Ansatz. Wir werden die kritische Differenzierung Ihrer Risikotragfähigkeit analysieren, die Mechanismen eines disziplinierten Portfoliomanagements aufzeigen, Schweizer Spezifika wie das SMI-Klumpenrisiko beleuchten und aufzeigen, wie Sie die Kaufkraft Ihres Franken-Vermögens in einem anspruchsvollen Zinsumfeld nachhaltig sichern.

Warum Ihre Risikofähigkeit oft geringer ist als Ihre Risikowilligkeit?

Die vielleicht wichtigste und am häufigsten missverstandene Unterscheidung in der Vermögensplanung ist die zwischen Risikowilligkeit und Risikofähigkeit. Risikowilligkeit ist rein emotional: Wie viel Volatilität können Sie ertragen, bevor Sie nachts nicht mehr schlafen können? In einem Bullenmarkt fühlen sich die meisten Anleger sehr risikofreudig. Risikofähigkeit hingegen ist eine objektive, mathematische Grösse: Wie viel Verlust kann Ihr Portfolio erleiden, ohne Ihre langfristigen finanziellen Ziele (z.B. die Rente, der Kaufkrafterhalt) zu gefährden?

In der Schweiz wird diese Diskrepanz durch einen oft übersehenen Faktor verschärft: die Vermögenssteuer. Anders als in vielen anderen Ländern belastet sie nicht die Erträge, sondern das Substanzvermögen selbst. Je nach Kanton beträgt die Vermögenssteuer zwischen 0,02% bis 1% des Reinvermögens (Vermögen abzüglich Schulden). Diese Steuer muss auch in Jahren bezahlt werden, in denen Ihr Portfolio Verluste schreibt. Sie reduziert Ihre reale Nettorendite und damit direkt Ihre Risikofähigkeit. Bei einer Bruttorendite von 4% und einer Vermögenssteuer von 0.5% verbleibt nur eine Nettorendite von 3.5%, noch vor Inflation.

Das steuerbare Vermögen umfasst dabei fast alle geldwerten Rechte: von Bargeld über Wertschriften und Immobilien bis hin zu Fahrzeugen und Kunst. Einzig der Hausrat und das Kapital in der 2. und 3a Säule sind bis zur Auszahlung ausgenommen. Wie das Beispiel des Kantons Zürich zeigt, ist die Belastung bei kleineren und mittleren Vermögen dank Freibeträgen oft gering, wirkt sich aber bei grossen Vermögen progressiv aus. Ein Anleger mit hohem Vermögen hat also objektiv eine geringere Fähigkeit, Risiken einzugehen, da ein Teil seiner potenziellen Rendite bereits durch die Steuer vorweggenommen wird, unabhängig von der Performance.

Die klare Analyse dieser Kennzahlen ist fundamental. Nehmen Sie sich die Zeit, die Unterscheidung zwischen Ihrer emotionalen Bereitschaft und Ihrer objektiven Kapazität vollständig zu verinnerlichen.

Wie oft müssen Sie Ihr Portfolio umschichten, um die ursprüngliche Strategie beizubehalten?

Einmal eine strategische Asset Allocation (z.B. 60% Aktien, 30% Anleihen, 10% Gold) festgelegt zu haben, ist nur der erste Schritt. Märkte bewegen sich, und über die Zeit wird sich die Gewichtung Ihres Portfolios verschieben. Wenn Aktien gut laufen, kann ihr Anteil auf 70% anwachsen, was Ihr Risikoprofil unbemerkt verändert. Der Prozess, das Portfolio zur ursprünglichen Zielallokation zurückzuführen, nennt sich Rebalancing. Es ist ein antizyklischer Mechanismus: Sie verkaufen Anlageklassen, die gut gelaufen sind (und teuer geworden sind), und kaufen jene, die unterdurchschnittlich performt haben (und günstig sind).

Diese Disziplin ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg und schützt vor emotionalen Entscheidungen. Anstatt sich von Gier oder Angst leiten zu lassen, folgen Sie einem vordefinierten Regelwerk. Die Visualisierung unten zeigt das Prinzip: Sand wird von einem vollen Behälter in einen leereren umgefüllt, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. In der Schweiz ist dieser Prozess besonders vorteilhaft, da Kapitalgewinne für Privatpersonen steuerfrei sind. Sie können Ihr Portfolio also umschichten, ohne dass der Fiskus einen Teil der realisierten Gewinne beansprucht – ein enormer Vorteil gegenüber Anlegern in Deutschland oder den USA.

Visualisierung der steuerfreien Portfolio-Umschichtung in der Schweiz

Doch wie oft ist „oft genug“? Eine feste Regel gibt es nicht, aber eine Kombination aus zeitbasiertem und schwellenbaisertem Rebalancing hat sich bewährt. Sie überprüfen Ihr Portfolio in regelmässigen Abständen (z.B. quartalsweise oder jährlich) und handeln zusätzlich, wenn eine Anlageklasse ein vordefiniertes Toleranzband (z.B. +/- 5% Abweichung von der Zielgewichtung) verlässt. Ein systematischer Audit Ihres Portfolios ist dabei unerlässlich.

Ihr Audit-Plan für diszipliniertes Rebalancing

  1. Ziel-Allokation definieren: Legen Sie Ihre strategische Soll-Gewichtung für jede Anlageklasse (z.B. Schweizer Aktien, globale Aktien, Gold) basierend auf Ihrer Risikofähigkeit fest.
  2. Portfolio-Drift überwachen: Prüfen Sie quartalsweise die aktuellen Ist-Gewichtungen und identifizieren Sie Abweichungen von Ihrer Ziel-Allokation.
  3. Toleranzbänder festlegen: Definieren Sie klare Schwellenwerte (z.B. eine Abweichung von 5 Prozentpunkten), bei deren Überschreitung eine Umschichtung zwingend wird.
  4. Umschichtungsplan erstellen: Priorisieren Sie Cashflow-Rebalancing (neue Investitionen in untergewichtete Klassen lenken), um steuerlich irrelevante Verkäufe zu minimieren.
  5. Diszipliniert umsetzen: Führen Sie die Umschichtung regelbasiert und ohne Emotionen durch, sobald ein Trigger (Zeit oder Schwelle) ausgelöst wird.

Die regelmässige und disziplinierte Umsetzung ist entscheidend. Machen Sie sich mit den Mechanismen des Rebalancing vertraut, um Ihre Strategie langfristig auf Kurs zu halten.

Private Equity oder Hedge Funds: Was gehört in ein Portfolio ab 1 Million Franken?

Sobald ein Vermögen eine bestimmte Grösse erreicht, typischerweise über einer Million Franken, öffnet sich die Tür zu alternativen Anlagen wie Private Equity und Hedge Funds. Diese Anlageklassen sind nicht an öffentlichen Börsen handelbar und waren traditionell institutionellen Investoren vorbehalten. Sie bieten potenziell höhere Renditen und eine Diversifikation, die über traditionelle Aktien und Anleihen hinausgeht. Doch sie kommen auch mit höheren Risiken, geringerer Liquidität und höheren Kosten.

Private Equity (PE) investiert direkt in nicht-börsenkotierte Unternehmen. Dies kann von jungen Start-ups (Venture Capital) bis hin zu etablierten Unternehmen reichen. Der Reiz liegt darin, am Wachstum von Firmen teilzuhaben, bevor sie an die Börse gehen. Die Kehrseite ist eine lange Haltedauer von oft 7-10 Jahren, in der Ihr Kapital gebunden ist. Hedge Funds hingegen nutzen eine Vielzahl von komplexen Strategien (z.B. Leerverkäufe, Derivate), um in allen Marktphasen positive Renditen zu erzielen. Ihre Performance ist oft weniger von der allgemeinen Marktentwicklung abhängig, was sie zu einem guten Diversifikator macht.

Der Zugang zu diesen Märkten ist in der Schweiz streng reguliert. Für den Zugang zu Private Equity benötigen qualifizierte Anleger in der Schweiz in der Regel ein frei verfügbares Vermögen von mindestens 500’000 CHF, wobei viele Produkte erst ab höheren Summen zugänglich sind. Eine Beimischung von 5-10% in einem grösseren Portfolio kann sinnvoll sein, um die Renditechancen zu erhöhen, sollte aber niemals den Kern der Anlagestrategie ausmachen.

Fallbeispiel: Zugang zu Schweizer Wachstumsfirmen via Private Equity

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bietet ein konkretes Beispiel, wie qualifizierte Anleger in den Schweizer PE-Markt investieren können. Mit dem „Swisscanto Private Equity Switzerland Growth“ Fonds erhalten Anleger Zugang zu einem diversifizierten Portfolio von nicht-kotierten Schweizer Wachstumsunternehmen in Sektoren wie Health-Tech, Industrial-Tech und ICT. Der Fonds profitiert von der Erfahrung der ZKB, die bereits über 280 Start-ups finanziert hat. Das Ziel ist eine attraktive Rendite von 12-14% pro Jahr, was das höhere Risiko und die geringere Liquidität im Vergleich zu öffentlichen Märkten kompensieren soll. Dies zeigt, wie PE als Satelliten-Investment dienen kann, um das Wachstumspotenzial abseits der grossen SMI-Titel zu nutzen.

Die Entscheidung für oder gegen solche Anlagen hängt stark von Ihrer Liquiditätsplanung und Risikofähigkeit ab. Es ist ein Bereich, in dem professionelle Beratung unerlässlich ist, um die komplexen Strukturen zu verstehen.

Die Gefahr, durch ständiges Ein- und Aussteigen die Jahresrendite zu halbieren

Die grösste Renditebremse für Privatanleger sind nicht hohe Gebühren oder eine falsche Aktienauswahl, sondern der Versuch, den Markt zu timen. Angetrieben von Angst verkaufen viele, wenn die Kurse fallen, und getrieben von Gier kaufen sie, wenn die Kurse bereits stark gestiegen sind. Dieses prozyklische Verhalten führt systematisch dazu, dass man die besten Handelstage am Markt verpasst, welche oft unerwartet in turbulenten Phasen auftreten. Die Konsequenzen sind dramatisch.

Eine besondere Anfälligkeit für dieses Verhalten zeigt sich oft bei Schweizer Anlegern. Wie eine Analyse zur Anlegerpsychologie feststellt, führt eine spezifische Kombination aus Sicherheitsdenken und der Wahrnehmung des starken Frankens zu zögerlichem Investitionsverhalten:

Das starke Sicherheitsdenken der Schweizer führt zu schnellen Verkäufen in Krisen, und die ‚Starker Franken‘-Falle lässt Anleger zögern, im Ausland zu investieren, aus Angst vor Währungsverlusten.

– Finanzmarktanalyse Schweiz, Schweizer Anlegerpsychologie Studie

Die Hände eines zögernden Investors, die über Finanzcharts schweben, visualisieren perfekt diese emotionale Anspannung, die zu kostspieligen Fehlentscheidungen führt.

Darstellung der Renditeverluste durch emotionales Trading

Die Zahlen belegen die fatalen Auswirkungen dieses Verhaltens eindrücklich. Eine Analyse, die auf Daten des Schweizer Aktienmarktes basiert, zeigt, wie sich das Verpassen der besten Handelstage auf ein Startkapital von 100’000 CHF über 20 Jahre auswirkt, was eine Studie über die Auswirkungen von Market Timing bestätigt.

Auswirkungen von Market Timing auf die Rendite
Szenario Jährliche Rendite Endvermögen nach 20 Jahren
Buy & Hold (vollständig investiert) 8.2% 482’000 CHF
10 beste Tage verpasst 5.6% 302’000 CHF
20 beste Tage verfasst 3.5% 201’000 CHF
30 beste Tage verfasst 1.8% 143’000 CHF
Basis: 100’000 CHF Startkapital, Schweizer Aktienmarkt

Diese Daten sollten als ständige Mahnung dienen. Das Festhalten an einer disziplinierten Strategie ist wichtiger als jeder Versuch, den Markt kurzfristig schlagen zu wollen.

Aktienquote im Alter reduzieren: Wann ist der richtige Zeitpunkt zum „De-Risking“?

Die alte Faustregel „100 minus Lebensalter gleich Aktienquote“ ist ein gut gemeinter, aber viel zu starrer Ratschlag. Ein pauschales Reduzieren der Aktienquote nur aufgrund des Alters ignoriert den individuellen Anlagehorizont, die finanzielle Situation und vor allem die steuerlichen Rahmenbedingungen. Der Prozess des „De-Risking“ – die schrittweise Reduzierung von risikoreichen Anlagen wie Aktien zugunsten stabilerer Anlagen wie Anleihen oder Liquidität – sollte ein bewusster, strategischer Prozess sein, der Jahre vor dem geplanten Renteneintritt beginnt.

Der richtige Zeitpunkt ist nicht ein bestimmter Geburtstag, sondern der Moment, an dem Ihr Anlagehorizont für einen Teil des Vermögens von „langfristigem Wachstum“ zu „mittelfristiger Kapitalverfügbarkeit“ wechselt. Konkret bedeutet das: Für das Geld, das Sie in den nächsten 3-5 Jahren benötigen, sollten Sie kein hohes Aktienrisiko mehr eingehen. Der Beginn des De-Risking sollte daher typischerweise 5 bis 10 Jahre vor dem geplanten Kapitalbezug, beispielsweise aus der Pensionskasse (2. Säule), starten.

Hier spielt die Schweiz wieder ihre einzigartige steuerliche Trumpfkarte aus. Da Privatpersonen in der Schweiz keine Kapitalgewinnsteuer zahlen, kann der Umschichtungsprozess äusserst effizient gestaltet werden. Sie können über Jahre aufgelaufene Gewinne im Aktienteil Ihres Portfolios realisieren und in sicherere Anlagen umschichten, ohne dass der Fiskus darauf zugreift. Dies ermöglicht eine viel flexiblere und profitablere De-Risking-Strategie als in anderen Ländern.

Eine bewährte Methode ist die „Bucket-Strategie“, die Ihr Vermögen in verschiedene Zeit-Töpfe aufteilt:

  • Bucket 1 (Bedarf für Jahre 1-3): Besteht aus Liquidität (CHF) und kurzlaufenden, sicheren Anleihen zur Deckung der laufenden Lebenshaltungskosten.
  • Bucket 2 (Bedarf für Jahre 4-10): Ein ausgewogenes Portfolio aus Aktien und Anleihen, das moderate Renditen bei begrenztem Risiko erwirtschaftet, um Bucket 1 wieder aufzufüllen.
  • Bucket 3 (Bedarf >10 Jahre): Ein wachstumsorientiertes Portfolio mit hoher Aktienquote für den langfristigen Kapitalerhalt und Inflationsschutz.

Diese strukturierte Herangehensweise verwandelt das De-Risking von einer vagen Altersregel in einen klaren, strategischen Prozess, der auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Die Gefahr, nur in Schweizer Aktien zu investieren und globale Tech-Trends zu verpassen

Schweizer Anleger neigen zu einem ausgeprägten „Heimatbias“ (Home Bias): Sie investieren einen überproportional grossen Teil ihres Vermögens in den heimischen Aktienmarkt. Man fühlt sich mit Unternehmen wie Nestlé, Roche oder UBS vertraut, man liest über sie in den Nachrichten und versteht ihr Geschäft vermeintlich besser. Diese emotionale Nähe ist jedoch eine gefährliche Falle. Sie führt zu einem massiven Klumpenrisiko und lässt Anleger wichtige globale Wachstumstrends, insbesondere im Technologiesektor, verpassen.

Die Zahlen sind eindeutig: Der Schweizer Aktienmarkt macht nur etwa 2.5% der globalen Marktkapitalisierung aus, aber in vielen Schweizer Depots hat er eine Gewichtung von 40% oder mehr. Das bedeutet, man setzt einen Grossteil seines Vermögens auf das Gedeihen einer kleinen, hochkonzentrierten Volkswirtschaft und ignoriert 97.5% der globalen Chancen. Zudem ist der Schweizer Leitindex SMI selbst stark konzentriert auf nur drei Sektoren: Pharma, Nahrungsmittel und Finanzen. Disruptive Technologietrends finden woanders statt.

Die Lösung ist nicht, Schweizer Aktien komplett zu meiden, sondern sie in eine global diversifizierte Strategie einzubetten. Das Core-Satellite-Modell ist hierfür ein idealer Ansatz. Der „Core“ (Kern) des Portfolios besteht aus einem breit gestreuten, kostengünstigen globalen Aktien-ETF. Dieser bildet die Weltwirtschaft ab. Die „Satellites“ (Satelliten) sind gezielte Beimischungen, um bestimmte Themen oder Regionen überzugewichten – hier käme beispielsweise ein ETF auf Schweizer Aktien oder auf den globalen Tech-Sektor ins Spiel.

Der folgende beispielhafte Aufbau, wie ihn auch der Schweizer Finanzblog für eine globale Diversifikation vorschlägt, illustriert dieses Prinzip:

Core-Satellite-Modell für Schweizer Anleger
Portfolio-Komponente Gewichtung Beispiel-ETF TER
Core: Globale Aktien 60% Vanguard FTSE All-World 0.22%
Satellit: Schweizer Aktien 20% iShares Core SPI 0.10%
Satellit: Globale Tech 10% iShares NASDAQ 100 0.33%
Satellit: Emerging Markets 10% iShares Core MSCI EM IMI 0.18%

Diese Struktur reduziert das Klumpenrisiko drastisch und stellt sicher, dass Sie an globalen Wachstumsmotoren partizipieren. Es ist ein fundamentaler Schritt, um die Fallstricke des Heimatbias zu überwinden.

Wie diversifizieren Sie ein Portfolio, das zu 60% aus Nestlé, Roche und Novartis besteht?

Ein häufiges Szenario in Schweizer Depots, oft durch Erbschaften oder langjährige Mitarbeiteraktienprogramme entstanden, ist ein massives Klumpenrisiko in den drei SMI-Schwergewichten Nestlé, Roche und Novartis. Auch wenn dies allesamt Qualitätsunternehmen sind, widerspricht eine solche Konzentration jedem Grundprinzip der Diversifikation. Die Wertentwicklung des gesamten Portfolios hängt dann vom Schicksal von nur drei Unternehmen aus sehr ähnlichen, defensiven Sektoren ab. Eine unternehmensspezifische Krise oder eine sektorweite regulatorische Änderung kann katastrophale Folgen haben.

Der Abbau dieser Übergewichtung muss strategisch und schrittweise erfolgen. Ein sofortiger Verkauf der gesamten Position ist selten ratsam, da er emotional schwierig ist und man potenziell zu einem ungünstigen Zeitpunkt verkauft. Stattdessen sollte man einen klaren Plan verfolgen, um das Portfolio über einen definierten Zeitraum (z.B. 2-3 Jahre) wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Eine wirksame Methode zur Diversifikation abseits der SMI-Giganten ist die gezielte Investition in Schweizer Small und Mid Caps. Diese „Hidden Champions“ sind oft Weltmarktführer in ihren Nischen und bieten ein völlig anderes Chance-Risiko-Profil.

Fallbeispiel: Diversifikation durch Schweizer „Hidden Champions“

Anstatt weiter in die bekannten SMI-Werte zu investieren, kann ein Anleger gezielt in den SPI Mid und SPI Small Cap Index investieren. Hier finden sich globale Marktführer wie Straumann (Dentalimplantate), Sonova (Hörsysteme) oder Sika (Bauchemie). Diese Unternehmen sind in globalen Wachstumsmärkten tätig und ihre Geschäftsentwicklung korreliert weniger stark mit den defensiven Konsumgüter- und Pharmariesen. Historisch haben diese Indizes oft eine bessere Performance als der SMI gezeigt und bieten somit eine echte Diversifikation innerhalb des Schweizer Aktienmarktes, bevor man den Schritt zur globalen Diversifikation macht.

Der schrittweise Abbau der Übergewichtung kann durch eine Kombination verschiedener Massnahmen erfolgen:

  • Investitionsstopp: Alle neuen Sparraten und Dividenden fliessen ausschliesslich in unterrepräsentierte Anlageklassen (z.B. globale Tech-ETFs, Schweizer KMU-Fonds).
  • Teilverkäufe: Definieren Sie einen Plan, um beispielsweise quartalsweise einen festen Betrag oder Prozentsatz der übergewichteten Positionen zu verkaufen, unabhängig vom aktuellen Kurs.
  • Optionen nutzen: Fortgeschrittene Anleger können Covered Calls auf die bestehenden Grosspositionen schreiben, um zusätzliche Prämieneinnahmen zu generieren, während sie auf einen Verkauf zu einem gewünschten Preis warten.

Diese disziplinierte Vorgehensweise ist entscheidend, um ein gefährliches Klumpenrisiko systematisch abzubauen und das Portfolio auf eine breitere, robustere Basis zu stellen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unterscheiden Sie klar zwischen Risikofähigkeit (was Sie tragen können) und Risikowilligkeit (was Sie fühlen).
  • Nutzen Sie die steuerfreie Umschichtung in der Schweiz aktiv für diszipliniertes Rebalancing.
  • Brechen Sie den Schweizer „Heimatbias“ und das SMI-„Klumpenrisiko“ durch eine globale Core-Satellite-Strategie auf.

Wie erhalten Sie die Kaufkraft Ihres Franken-Vermögens trotz Negativzins-Umfeld oder tiefer Zinsen?

In einem Umfeld, in dem die Zinsen auf dem Sparkonto kaum die Inflation ausgleichen, ist der reale Kaufkrafterhalt die zentrale Herausforderung für jedes Vermögen. Geld, das nur auf dem Konto liegt, verliert im Laufe der Zeit unweigerlich an Wert. Die Antwort auf diese Herausforderung liegt in der Investition in Sachwerte – Anlageklassen, deren Wert tendenziell mit der Inflation steigt oder diese sogar übertrifft.

Aktien von Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht („Pricing Power“) sind hier eine erstklassige Wahl. Firmen mit starken Marken oder unverzichtbaren Produkten können steigende Kosten an ihre Kunden weitergeben und so ihre Gewinnmargen und Dividenden schützen. Doch über Aktien hinaus gibt es weitere wichtige Bausteine. Immobilien, ob direkt gehalten oder über Immobilienaktien, bieten ebenfalls einen guten Inflationsschutz durch steigende Mieten und Immobilienwerte, sind jedoch oft illiquide und mit hohem Aufwand verbunden.

Ein historisch bewährter Anker für den Kaufkrafterhalt ist physisches Gold. Es wirft zwar keine laufenden Erträge ab, hat aber über Jahrhunderte bewiesen, dass es seinen Wert in Zeiten von Währungsabwertungen und hoher Inflation behält. Gerade für ein in Franken denominiertes Portfolio ist dies relevant. In den letzten 12 Monaten beispielsweise verzeichnete Gold eine Performance von knapp 9% in CHF und trug damit massgeblich zum Kaufkrafterhalt bei. Im Vergleich zu Direktimmobilien ist es zudem extrem liquide und in der Schweiz nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei veräusserbar.

Eine robuste Strategie zum Kaufkrafterhalt kombiniert diese Elemente: Ein Kern aus globalen Qualitätsaktien für das Wachstum, eine Beimischung von Immobilien(aktien) für stabile Erträge und ein Anteil an physischem Gold (typischerweise 5-10%) als Versicherung gegen extreme Krisen und Inflation. Diese Diversifikation über verschiedene Sachwerte ist der Schlüssel, um nicht nur nominal, sondern real reicher zu werden.

Um diese Strategie nachhaltig umzusetzen, ist es entscheidend, sich die Grundlagen Ihrer persönlichen Risikostruktur immer wieder vor Augen zu führen.

Um diese strategischen Überlegungen in einen konkreten, auf Ihre Situation zugeschnittenen Plan zu überführen, ist der nächste logische Schritt eine detaillierte Analyse Ihres bestehenden Portfolios und Ihrer finanziellen Ziele.

Geschrieben von Beatrice Keller, Unabhängige Finanzplanerin und Vorsorge-Spezialistin (Eidg. Fachausweis) mit Schwerpunkt auf Pensionskassenoptimierung, Steuerplanung und Vermögenssicherung für Schweizer Privatanleger. Expertin für Immobilienbewertung und Erbrecht.