Elegantes Business-Networking in exklusivem Schweizer Umfeld mit Blick auf Berge
Veröffentlicht am Mai 17, 2024

Entgegen der landläufigen Meinung sichert nicht die beste Fachkompetenz ein VR-Mandat, sondern Ihr strategisch aufgebautes Reputationskapital.

  • Erfolg hängt von der „orchestrierten Sichtbarkeit“ in den entscheidenden Zirkeln ab, nicht von blossem Networking.
  • Ein Mentor muss zum Sponsor werden, der aktiv für Sie bürgt und Türen öffnet.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich darauf, als unverzichtbarer strategischer Wert wahrgenommen zu werden, statt nur Ihre Qualifikationen aufzulisten.

Der Schritt vom operativen Management in den Verwaltungsrat ist für viele Führungskräfte in der Schweiz der logische Höhepunkt einer Karriere. Doch der Weg dorthin ist selten ein linearer Bewerbungsprozess. Viele glauben, dass eine makellose Erfolgsbilanz und tiefgreifende Fachkompetenz die entscheidenden Eintrittskarten sind. Sie investieren in Zertifikate, polieren ihren Lebenslauf und warten darauf, entdeckt zu werden. Dies ist ein weit verbreiteter, aber fundamentaler Trugschluss, der viele exzellente Manager auf der Schwelle zum strategischen Olymp verharren lässt.

Die Realität der Schweizer Wirtschaftselite ist subtiler und stärker von ungeschriebenen Gesetzen geprägt. Es geht nicht primär darum, was Sie wissen, sondern wer Ihren Wert erkennt und dafür bürgt. Die üblichen Ratschläge – „pflegen Sie Ihr Netzwerk“ oder „positionieren Sie sich auf LinkedIn“ – greifen zu kurz, weil sie die entscheidende Komponente ignorieren: die strategische Orchestrierung Ihrer Sichtbarkeit und den Aufbau von echtem Reputationskapital in den Zirkeln, die wirklich zählen. Ein VR-Mandat wird nicht vergeben, es wird anvertraut. Und Vertrauen ist die Währung der wirklich Mächtigen.

Doch wenn die herkömmlichen Methoden nicht ausreichen, was ist dann der Schlüssel? Die Antwort liegt in einem Paradigmenwechsel: Statt sich als qualifizierter Kandidat zu präsentieren, müssen Sie sich als unverzichtbare strategische Ressource positionieren. Dieser Artikel ist kein weiterer Ratgeber über die rechtlichen Pflichten eines Verwaltungsrats. Er ist ein strategisches Briefing für Führungskräfte, die verstehen wollen, wie die Mechanismen der Macht in der Schweiz funktionieren. Wir werden die Kunst des Sponsorings entschlüsseln, die wahren Machtzentren von den blossen Networking-Events unterscheiden und Ihnen zeigen, wie Sie Ihr Profil so schärfen, dass Sie nicht suchen müssen, sondern gefunden werden.

Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden strategischen Etappen, um den Sprung in die Schweizer Wirtschaftselite zu schaffen. Die folgende Übersicht zeigt Ihnen die Kernbereiche, die wir analysieren werden, um Ihre Positionierung gezielt voranzutreiben.

Warum reicht Fachkompetenz allein nicht aus, um in einen Schweizer VR gewählt zu werden?

In der Selektion für einen Verwaltungsrat ist Fachkompetenz die Grundvoraussetzung, nicht der entscheidende Faktor. Sie ist die Eintrittskarte zum Spiel, aber sie gewinnt das Spiel nicht. Gremien gehen davon aus, dass Kandidaten auf diesem Niveau über die nötige Expertise verfügen. Was sie wirklich suchen, ist eine Kombination aus strategischem Weitblick, kultureller Passung und vor allem: Vertrauen. Ein Verwaltungsrat ist ein eng verzahntes Team, das in Krisenzeiten absolut integer und kohärent handeln muss. Die Berufung eines neuen Mitglieds ist daher immer auch ein kalkuliertes soziales Risiko.

Dieses Risiko wird durch das minimiert, was wir als Reputationskapital bezeichnen. Es ist die Summe Ihrer wahrgenommenen Integrität, Ihres Urteilsvermögens und Ihrer Fähigkeit, konstruktiv zur Entscheidungsfindung beizutragen. Dieses Kapital wird nicht durch Zertifikate, sondern durch sichtbare Handlungen und Empfehlungen von vertrauenswürdigen Dritten aufgebaut. Panel-Referenten wie Bruno Chiomento (VR-Präsident Ernst & Young) und Andrej Golob (VR Raiffeisen Schweiz) bestätigen, dass ein gepflegtes, zum Unternehmen passendes Netzwerk sowie eine gefestigte Persönlichkeit zentrale Erfolgsfaktoren sind.

Die Zusammensetzung von Verwaltungsräten wird zudem bewusster diversifiziert. Es geht nicht mehr nur um Finanzen und Recht. Gefragt sind heute Kompetenzen in Digitalisierung, Nachhaltigkeit (ESG) und internationaler Marktentwicklung. Während der Frauenanteil in Schweizer Verwaltungsräten langsam steigt und laut einer aktuellen Swipra-Studie 30,9% beträgt, geht es bei der Vielfalt um mehr als nur das Geschlecht. Gefragt sind unterschiedliche Perspektiven, die das Unternehmen widerstandsfähiger machen. Ihre Aufgabe ist es, zu identifizieren, welche strategische Lücke Ihre einzigartige Erfahrung füllen kann und dies gezielt zu kommunizieren.

Letztlich wird nicht der Kandidat mit dem längsten CV gewählt, sondern die Persönlichkeit, der das Gremium zutraut, das Unternehmen sicher durch unsichere Zeiten zu steuern. Ihre Fachkompetenz öffnet die Tür, aber Ihr Reputationskapital bringt Sie an den Tisch.

Wie finden Sie einen Mentor, der Türen zur Schweizer Wirtschaftselite öffnet?

Der Begriff „Mentor“ ist im C-Level-Kontext oft irreführend. Sie benötigen keinen Coach, der Ihnen Karrieretipps gibt. Sie benötigen einen Sponsor. Ein Mentor spricht mit Ihnen, ein Sponsor spricht über Sie – in den richtigen Räumen, wenn Sie nicht anwesend sind. Er oder sie ist eine etablierte Persönlichkeit, die ihr eigenes Reputationskapital einsetzt, um für Sie zu bürgen. Die Suche nach einer solchen Person ist kein formaler Prozess, sondern das Ergebnis einer sorgfältig gepflegten Beziehung, die auf gegenseitigem Respekt und Mehrwert basiert.

Erfahrener Geschäftsführer im Mentoring-Gespräch mit jüngerem Kollegen

Solche Beziehungen entstehen selten durch kalte Anfragen. Suchen Sie nach Gelegenheiten, potenziellen Sponsoren einen echten Mehrwert zu bieten. Dies kann durch eine aufschlussreiche Marktanalyse, die Vorstellung eines relevanten Kontakts oder einen unkonventionellen Lösungsansatz für ein bekanntes Branchenproblem geschehen. Zeigen Sie, dass Sie nicht nur nehmen, sondern vor allem geben wollen. Die Bereitschaft, die eigene Verletzlichkeit zu zeigen, kann ebenfalls eine starke Verbindung schaffen. Die Aussage von Katharina Lehmann, Verwaltungsratspräsidentin der Blumer-Lehmann AG, verdeutlicht dies eindrücklich:

Nach dem Studium wusste ich, dass ich nichts kann.

– Katharina Lehmann, HSG meets ETH Event

Identifizieren Sie Personen, die Sie nicht nur für ihre Position, sondern für ihre Werte und ihren Werdegang bewundern. Suchen Sie nach Gemeinsamkeiten – sei es die Alma Mater, ein früheres Unternehmen oder eine geteilte Leidenschaft für ein Thema. Ein Sponsor muss an Ihr Potenzial glauben und einen persönlichen Grund haben, Ihren Erfolg zu wollen. Es ist eine Partnerschaft, bei der Ihr Erfolg auch seinen oder ihren Ruf als guter Menschenkenner bestätigt.

Vergessen Sie das Konzept des Bittstellers. Positionieren Sie sich als ebenbürtiger strategischer Partner, dessen Aufstieg auch für den Sponsor von Vorteil ist. Das ist der Übergang vom Mentoring zum echten Sponsoring.

WEF oder lokale Handelskammer: Wo treffen Sie wirklich Entscheidungsträger?

Nicht alle Netzwerke sind gleich. Eine der grössten strategischen Fehlentscheidungen ist es, Zeit und Ressourcen in Plattformen zu investieren, die für Ihre Ziele ungeeignet sind. Der Schlüssel liegt in der „Netzwerk-Arbitrage„: der bewussten Auswahl des richtigen Zirkels für das jeweilige Ziel. Es geht nicht darum, überall präsent zu sein, sondern dort, wo die für Sie relevanten Entscheidungsträger wirklich zuhören. Eine pauschale Antwort gibt es nicht; die Wahl hängt von Ihrer Branche, Ihren Zielen und Ihrer aktuellen Positionierung ab.

Das World Economic Forum (WEF) in Davos bietet globalen Zugang und eine unerreichte Dichte an hochkarätigen Kontakten, doch der Zugang ist extrem limitiert und die Gespräche oft oberflächlich. Im Gegensatz dazu bieten lokale Handelskammern oder exklusive Clubs wie der „Club zum Rennweg“ in Zürich einen fokussierteren, nationalen Zugang, erfordern aber oft eine Mitgliedschaft und die Akzeptanz etablierter interner Kulturen. Alumni-Netzwerke von Elite-Universitäten wie der HSG oder der ETH sind oft die effektivsten, da sie auf einer Basis von geteilter Erfahrung und langfristigem Vertrauen beruhen. Die folgende Übersicht, basierend auf einer Analyse von Schweizer Power-Networking-Plattformen, illustriert die unterschiedlichen Profile.

Vergleich der Schweizer Power-Networking-Plattformen
Netzwerk-Typ Zugang Kosten ROI-Potenzial
WEF Davos Invitation only Sehr hoch Global, strategisch
Club zum Rennweg Zürich Mitgliedschaft erforderlich Hoch National, etabliert
HSG/ETH Alumni Alumni-Status Moderat Akademisch, langfristig
Lokale Handelskammern Offen für KMU Niedrig Regional, praktisch
Family Office Events Zug Exklusiv Hoch Investment-fokussiert

Anstatt wahllos Events zu besuchen, verfolgen Sie eine Portfolio-Strategie. Wählen Sie ein globales Event für die Inspiration, ein nationales für die relevanten Kontakte und ein Nischen-Event (z.B. eine Fachtagung zu Ihrem Spezialgebiet), um Ihre Expertise zu demonstrieren. Initiativen wie ETHSG, die Studierende aus Business (HSG) und Wissenschaft (ETH) vernetzen, zeigen den Wert interdisziplinärer Plattformen schon in frühen Karrierephasen. Für Sie als Führungskraft bedeutet das: Suchen Sie die Schnittstellen, an denen verschiedene Welten aufeinandertreffen, denn dort entsteht Innovation und Bedarf für neue strategische Impulse im VR.

Ihre Zeit ist Ihre wertvollste Ressource. Investieren Sie sie nicht dort, wo die meisten Menschen sind, sondern dort, wo die richtigen Menschen sind.

Das Risiko, zu viele Mandate anzunehmen und der Sorgfaltspflicht nicht mehr nachzukommen

Ein erstes VR-Mandat zu erhalten, ist ein Erfolg. Die wahre Kunst besteht jedoch darin, ein Portfolio von Mandaten aufzubauen, das strategisch sinnvoll ist und Ihnen erlaubt, Ihrer Sorgfaltspflicht jederzeit nachzukommen. Die Gier nach Titeln und die Annahme von zu vielen Mandaten ist eine der grössten Fallen auf dem Weg zu einer nachhaltigen VR-Karriere. Jedes Mandat ist eine erhebliche rechtliche und moralische Verpflichtung. Insbesondere in der Schweizer KMU-Landschaft, wo ein Durchschnitts-Verwaltungsrat eines KMU nur 3,6 Mitglieder hat, lastet auf jedem Einzelnen eine enorme Verantwortung.

Ein überladenes Portfolio führt unweigerlich zu oberflächlicher Arbeit, mangelnder Vorbereitung auf Sitzungen und letztlich zu einem erhöhten Haftungsrisiko. Noch wichtiger ist der Reputationsschaden: Ein Verwaltungsrat, der als „Mandatssammler“ bekannt ist, verliert schnell an Glaubwürdigkeit und wird für wirklich anspruchsvolle Aufgaben nicht mehr in Betracht gezogen. Es signalisiert einen Mangel an Urteilsvermögen und Respekt vor der Aufgabe.

Eine professionelle Portfolio-Strategie für VR-Mandate ist daher unerlässlich. Es geht darum, eine ausgewogene Mischung zu finden, die Ihre Kompetenzen fordert, Ihr Netzwerk erweitert und Interessenskonflikte minimiert. Ein diversifiziertes Portfolio – beispielsweise ein Mandat in einem börsenkotierten Unternehmen, einem etablierten KMU und einem innovativen Startup – kann äusserst bereichernd sein, erfordert aber ein exzellentes Zeitmanagement. Rechnen Sie pro Mandat mit mindestens 20 bis 30 Tagen pro Jahr. Die unentziehbaren Aufgaben des VR gemäss Art. 716 OR sind nicht delegierbar und erfordern Ihre volle Aufmerksamkeit.

Ihr Plan zur strategischen Mandats-Portfolio-Planung

  1. Mandats-Analyse: Listen Sie alle potenziellen Mandate auf und bewerten Sie sie nach Branche, Grösse und strategischem Fit zu Ihrem Profil.
  2. Zeitbudget-Inventur: Kalkulieren Sie realistisch den Zeitaufwand für jedes Mandat (mind. 20-30 Tage/Jahr) und vergleichen Sie es mit Ihrer verfügbaren Kapazität.
  3. Konflikt-Check: Prüfen Sie jedes Mandat auf potenzielle Interessenskonflikte mit bestehenden oder anderen angestrebten Rollen. Halten Sie sich an Art. 716 OR.
  4. Portfolio-Diversifikation: Streben Sie eine Mischung an (z.B. kotiertes Unternehmen, KMU, Startup), um Ihr Profil zu schärfen und Klumpenrisiken zu vermeiden.
  5. Integrationsplan: Priorisieren Sie maximal 3-4 aktive Mandate und lehnen Sie Anfragen, die nicht in Ihre Strategie passen, konsequent ab, um Ihr Reputationskapital zu schützen.

Weniger ist oft mehr. Ein exzellent ausgeführtes Mandat ist für Ihre Karriere wertvoller als fünf mittelmässig betreute. Konzentrieren Sie sich auf Qualität, nicht auf Quantität.

LinkedIn vs. Fachpresse: Wie positionieren Sie sich als Thought Leader?

Sichtbarkeit ist entscheidend, aber ungesteuerte Sichtbarkeit ist nur Lärm. Um als Thought Leader wahrgenommen zu werden, bedarf es einer „orchestrierten Sichtbarkeit„. Es geht darum, die richtigen Inhalte über die richtigen Kanäle an die richtige Zielgruppe zu kommunizieren. Die Debatte „LinkedIn vs. Fachpresse“ ist dabei irreführend. Ein wahrer Stratege nutzt beide Kanäle, aber für unterschiedliche Zwecke.

LinkedIn ist Ihre digitale Visitenkarte und Ihre Bühne für schnelle, pointierte Kommentare zum Tagesgeschehen. Es eignet sich hervorragend, um Ihr Netzwerk zu pflegen, an Diskussionen teilzunehmen und Ihre Perspektive zu aktuellen Trends zu teilen. Die Frequenz ist hoch, die Halbwertszeit der Inhalte kurz. Hier zeigen Sie, dass Sie am Puls der Zeit sind und relevante Entwicklungen einordnen können. Es ist der Ort für den Dialog und die Interaktion.

Makroaufnahme von Händen auf Tastatur beim Verfassen eines Fachartikels

Die Fachpresse hingegen ist der Ort für das Reputationskapital. Ein gut recherchierter Artikel in einer renommierten Publikation wie der NZZ, der Handelszeitung oder einem führenden Branchenmagazin hat eine ungleich höhere Glaubwürdigkeit und Langlebigkeit. Hier demonstrieren Sie nicht nur Meinung, sondern tiefgreifende Analyse und strategischen Weitblick. Ein solcher Beitrag wird von Entscheidungsträgern gelesen, archiviert und zitiert. Er positioniert Sie als Experten, dessen Meinung Gewicht hat.

Die effektivste Strategie ist eine Symbiose: Nutzen Sie die Fachpresse für den tiefgründigen „Leuchtturm-Content“. Verfassen Sie pro Quartal einen einzigen, exzellenten Artikel zu einem Thema, in dem Sie eine einzigartige Perspektive haben. Diesen Beitrag nutzen Sie dann als Anker für Ihre Aktivitäten auf LinkedIn. Sie können einzelne Thesen daraus in Posts zerlegen, Diskussionen anstossen und auf den Originalartikel verweisen. So schaffen Sie einen konsistenten thematischen Fokus und demonstrieren sowohl Tiefe als auch Agilität.

Hören Sie auf, Inhalte zu konsumieren, und fangen Sie an, die Agenda zu setzen. Ein einziger substanzieller Gedanke, gut platziert, ist mehr wert als hundert oberflächliche Kommentare.

Organisation der Auslandschweizer vs. lokale Kammern: Welches Netzwerk bringt mehr Leads?

Für Führungskräfte mit internationalem Hintergrund oder solche, die im Ausland tätig sind, stellt sich oft die Frage nach dem richtigen Netzwerk zur Pflege der Schweizer Verbindungen. Die beiden prominentesten Optionen, die Auslandschweizer-Organisation (ASO) und die bilateralen Handelskammern, dienen fundamental unterschiedlichen Zielen. Die Wahl hängt davon ab, ob Sie auf der Suche nach kultureller Verbundenheit oder konkreten Geschäftsabschlüssen sind.

Die ASO und ihre angeschlossenen Vereine sind primär auf die Pflege der kulturellen und sozialen Verbindung zur Schweiz ausgerichtet. Das Netzwerk basiert auf einer geteilten nationalen Identität und ist oft von langfristigen, vertrauensbasierten Beziehungen geprägt. „Leads“ im geschäftlichen Sinne sind hier eher ein Nebenprodukt von persönlichen Freundschaften. Der Wert liegt im Aufbau von tiefem Vertrauen, das sich langfristig auszahlen kann, aber selten zu direkten, kurzfristigen Geschäftsmöglichkeiten führt.

Bilaterale Handelskammern (z.B. die Swiss-American Chamber of Commerce) sind hingegen explizit auf die Förderung von Geschäftsbeziehungen zwischen zwei Ländern ausgerichtet. Ihre Events sind transaktionaler und ergebnisorientierter. Hier treffen Sie auf andere Fach- und Führungskräfte mit einem klaren geschäftlichen Interesse. Die Lead-Generierung ist direkter, der ROI schneller messbar, aber die Beziehungen sind oft weniger tief und persönlich. Die folgende Tabelle, basierend auf den Analysen von Plattformen wie SwissVR, verdeutlicht die Unterschiede.

ASO vs. Bilaterale Handelskammern
Kriterium ASO (Auslandschweizer-Organisation) Bilaterale Handelskammern
Primärer Fokus Kultureller Austausch, Heimatverbindung Konkrete Geschäftsbeziehungen
Netzwerk-Qualität Vertrauensbasiert, langfristig Transaktional, ergebnisorientiert
Lead-Generierung Indirekt durch Beziehungen Direkt durch Business-Events
Investition Niedrig, primär Zeit Mittel bis hoch
ROI-Horizont Langfristig Kurz- bis mittelfristig

Die intelligenteste Strategie ist oft eine duale: Nutzen Sie die ASO für den Aufbau von tiefem, persönlichem Vertrauen und die Handelskammer für konkrete Geschäftsanbahnungen. Das eine schafft die Basis, das andere die Gelegenheit.

Fachkräftemangel antizipieren: Welche Branchen wachsen in der Schweiz am stärksten?

Ein strategisch denkender Verwaltungsrat blickt nicht nur auf das eigene Unternehmen, sondern auf das gesamte ökonomische Ökosystem. Die Antizipation von Wachstumsbranchen und des damit verbundenen Fachkräftemangels ist eine Kernkompetenz, um die langfristige Ausrichtung eines Unternehmens zu gestalten. Für Sie als angehendes VR-Mitglied ist das Wissen um diese Trends entscheidend, um Ihr eigenes Profil gezielt in den Sektoren zu positionieren, die den grössten Bedarf an strategischer Führung haben werden.

Die Schweizer Wirtschaft ist geprägt von kleinen und mittleren Unternehmen. Eine beeindruckende Zahl von 99,7% der über 600’000 Unternehmen in der Schweiz sind KMU; sie beschäftigen rund zwei Drittel aller Erwerbstätigen. In diesem Segment sind die Dynamiken des Wandels besonders spürbar. Während traditionelle Industrien stagnieren, zeigen bestimmte Sektoren ein explosives Wachstum und einen akuten Mangel an qualifizierten Führungskräften.

Ein herausragendes Beispiel ist das Gesundheitswesen. Dieser Sektor verzeichnete laut Analysen in „Die Volkswirtschaft“ bis 2021 ein Beschäftigungswachstum von über 50’000 Stellen innerhalb eines Jahrzehnts. Besonders stark war der Zuwachs bei Dienstleistungen wie Physiotherapie und Heimpflege. Allein zwischen 2019 und 2021, also während der Pandemie, schuf der Sektor fast 10’000 zusätzliche Arbeitsplätze. Dieses Wachstum erfordert nicht nur medizinisches Personal, sondern auch strategische Köpfe im Verwaltungsrat, die Themen wie Digitalisierung (Telemedizin), Effizienzsteigerung und neue Geschäftsmodelle vorantreiben können.

Weitere Wachstumsbranchen, die Sie im Auge behalten sollten, sind:

  • IT und Tech-Dienstleistungen: Getrieben von der Digitalisierung in allen anderen Sektoren.
  • Erneuerbare Energien und Cleantech: Forciert durch die Energiestrategie 2050.
  • Life Sciences und Biotech: Ein traditioneller Schweizer Pfeiler mit ungebrochener Innovationskraft.

Positionieren Sie sich nicht dort, wo die Wirtschaft heute ist, sondern dort, wo sie in fünf Jahren sein wird. Suchen Sie nach Mandaten in den Branchen, die vor den grössten Transformationen stehen – dort wird strategischer Rat am dringendsten benötigt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vom Experten zum Strategen: Der Aufstieg in den VR erfordert einen Wechsel von reiner Fachkompetenz zu strategischem Weitblick und Reputationskapital.
  • Sponsoring statt Mentoring: Identifizieren Sie einflussreiche Fürsprecher, die aktiv für Sie bürgen, anstatt nur nach Ratschlägen zu fragen.
  • Portfolio-Management: Kuratieren Sie eine überschaubare Anzahl von Mandaten (3-4), die strategisch zueinander passen, anstatt wahllos zu sammeln.

Wie führen Sie Ihr Unternehmen erfolgreich durch die digitale Transformation, ohne die Belegschaft zu verlieren?

Die digitale Transformation ist für jedes Schweizer Unternehmen die grösste Herausforderung und zugleich die grösste Chance. Für einen Verwaltungsrat ist sie der ultimative Test für strategische Führungskompetenz. Es geht längst nicht mehr nur um die Implementierung neuer Technologien. Die eigentliche Aufgabe besteht darin, die Unternehmenskultur und die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen. Scheitert dies, scheitert die gesamte Transformation, unabhängig davon, wie brillant die Technologie ist. Die grösste Gefahr ist der Verlust der Belegschaft – entweder durch Kündigungen oder durch innere Resignation.

Eine erfolgreiche Transformation ist zu 70% Change Management und nur zu 30% Technologie. Als Verwaltungsrat ist es Ihre Pflicht, sicherzustellen, dass das Management eine klare, mitarbeiterzentrierte Vision verfolgt. Dazu gehört eine transparente Kommunikation über das „Warum“ der Veränderung, die frühzeitige Einbindung von Mitarbeitern in den Prozess und massive Investitionen in Schulung und Kompetenzentwicklung. Kantonale Förderprogramme wie Innosuisse können hier wertvolle Unterstützung bieten.

Starten Sie mit kleinen, überschaubaren Pilotprojekten. Nichts ist überzeugender als ein sichtbarer Erfolg. Wenn ein Team demonstriert, wie ein neuer digitaler Prozess die Arbeit erleichtert und den Kundennutzen steigert, entsteht eine Sogwirkung, die weitaus effektiver ist als jede Anweisung von oben. Ihre Rolle als VR ist es, diese „Quick Wins“ zu ermöglichen, zu feiern und sicherzustellen, dass die daraus gewonnenen Erkenntnisse im gesamten Unternehmen skaliert werden. Schaffen Sie eine Kultur, in der Experimentieren erlaubt und Scheitern als Lernchance verstanden wird.

Die Führung durch den Wandel erfordert Empathie, Weitblick und eine klare Strategie. Die Integration der Mitarbeiter ist der entscheidende Hebel für den Erfolg.

Um Ihre eigene Organisation zukunftsfähig zu machen, beginnen Sie mit der Analyse Ihres aktuellen digitalen Reifegrades und entwickeln Sie eine Roadmap, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Dies ist nicht nur eine Managementaufgabe, sondern die Kernverantwortung eines jeden strategischen Leaders.

Geschrieben von Urs Hitz, Senior Unternehmensberater und Strategie-Coach für Schweizer KMUs mit über 25 Jahren Erfahrung in der internationalen Geschäftsentwicklung und Führungskräfteentwicklung. Spezialisiert auf Exportstrategien, Nachfolgeregelungen und Qualitätsmanagement.