Vergleich von Holzfaserdämmung und Styropor-Dämmplatten für sommerlichen Hitzeschutz in einem Schweizer Dachgeschoss
Veröffentlicht am März 18, 2024

Entgegen der gängigen Meinung ist der U-Wert nicht der alleinige Schlüssel für ein kühles Dachgeschoss im Sommer; die thermische Trägheit der Holzfaser ist der entscheidende Faktor.

  • Holzfaser verzögert das Eindringen der Sommerhitze um 8-12 Stunden (Phasenverschiebung), während Styropor und Mineralwolle nur 2-3 Stunden schaffen.
  • Die höhere Masse der Holzfaser sorgt zusätzlich für einen spürbar besseren Schallschutz gegen Aussenlärm und Regen.

Empfehlung: Betrachten Sie den Mehrpreis für Holzfaser nicht als Kosten, sondern als Investition in messbaren Wohnkomfort, besseren Schallschutz und eine zukunftssichere, problemlose Entsorgung.

Jeder, der schon einmal einen Dachstock ausgebaut hat, kennt das Problem: Der Winter ist kaum vorbei, da verwandeln die ersten Hitzetage im Juni das neue Schmuckstück unter dem Dach in eine unerträgliche Sauna. Man hat doch gedämmt, sogar nach Vorschrift! Die meiste Zeit fokussieren wir uns bei der Dämmung auf einen einzigen Wert: den U-Wert. Er beschreibt, wie gut ein Material gegen den Verlust von Wärme im Winter schützt. Doch dieser Fokus ist trügerisch und die Ursache für viele schweissgebadete Sommernächte.

Die gängige Praxis, leichte Dämmstoffe wie Polystyrol (Styropor) oder Mineralwolle zu wählen, weil sie einen guten U-Wert bei geringen Kosten bieten, ignoriert eine entscheidende physikalische Grösse: die Wärmespeicherkapazität. Was wäre, wenn der Schlüssel zu einem kühlen Dachraum nicht nur darin liegt, die Wärme abzuhalten, sondern sie intelligent zu managen? Genau hier liegt der Paradigmenwechsel, den die Holzfaserdämmung einleitet. Es geht nicht mehr nur um Dämmung, sondern um thermische Trägheit – die Fähigkeit eines Materials, die Hitze des Tages aufzunehmen und erst dann wieder abzugeben, wenn es draussen längst abgekühlt ist.

Dieser Artikel ist aus der Praxis für die Praxis geschrieben. Wir werden die physikalischen Fakten hinter der Holzfaserdämmung beleuchten und aufzeigen, warum der scheinbare Mehrpreis eine kluge Investition in Komfort, Ruhe und die Zukunftssicherheit Ihrer Immobilie in der Schweiz ist. Wir analysieren, wie die Masse der Holzfaser nicht nur die Hitze, sondern auch den Lärm draussen hält und warum das Thema Entsorgung schon heute über die langfristigen Kosten entscheidet.

Für alle, die eine visuelle Zusammenfassung bevorzugen, zeigt das folgende Video den praktischen Einsatz und die Vorteile moderner Einblasdämmsysteme, die oft Holzfasern verwenden.

Um die Vorteile der Holzfaserdämmung systematisch zu verstehen, haben wir diesen Leitfaden in mehrere Kernbereiche gegliedert. Von den physikalischen Grundlagen des Hitzeschutzes bis hin zu den handfesten ökonomischen und ökologischen Vorteilen im Schweizer Kontext finden Sie hier alle Fakten, die Sie für eine fundierte Entscheidung benötigen.

Warum bleibt es unter einem Holzfaserdach im Juli 5 Grad kühler als unter Mineralwolle?

Die Antwort liegt in einem physikalischen Prinzip, das oft übersehen wird: der Phasenverschiebung. Während der U-Wert nur misst, *wie viel* Wärme durch ein Bauteil dringt, beschreibt die Phasenverschiebung, *wie lange* dieser Vorgang dauert. Hier spielt Holzfaser ihre grösste Stärke aus. Dank ihrer hohen Rohdichte und spezifischen Wärmekapazität wirkt sie wie ein thermischer Puffer. Sie nimmt die Energie der Mittagssonne auf, speichert sie in ihrer Masse und gibt sie erst mit grosser Verzögerung an den Innenraum ab.

Konkret bedeutet das: Die grösste Hitze des Tages erreicht die Innenseite der Dämmung erst tief in der Nacht. Zu diesem Zeitpunkt ist die Aussentemperatur bereits gesunken, und Sie können durch Lüften die gespeicherte Wärme effektiv abführen. Leichte Dämmstoffe wie Mineralwolle oder Styropor haben diese Fähigkeit kaum. Ihre geringe Masse lässt die Hitze fast ungebremst passieren. Eine Studie zur Phasenverschiebung zeigt, dass Holzfaser Werte von 8 bis 12 Stunden erreicht, während Mineralwolle bei nur 2 bis 3 Stunden liegt. Das ist der entscheidende Unterschied zwischen einem erträglichen Raumklima und einer unerträglichen Dachgeschoss-Wohnung im Hochsommer.

Die technischen Daten untermauern diesen Vorteil eindrücklich, wie ein Vergleich der Wärmespeicherkapazität zeigt. Die Kombination aus hoher Dichte und hoher spezifischer Wärmekapazität macht Holzfaser zum Champion im sommerlichen Hitzeschutz.

Vergleich der Wärmespeicherkapazität verschiedener Dämmstoffe
Dämmstoff Rohdichte (kg/m³) Spezifische Wärmekapazität (J/(kg·K)) Sommerlicher Hitzeschutz
Holzfaserdämmplatten bis 300 2100 Sehr gut
Mineralwolle 30-100 840 Gering
Styropor (EPS) 15-30 1500 Sehr gering

Letztendlich ist die Investition in eine hohe Phasenverschiebung eine direkte Investition in die Lebensqualität. Anstatt eine teure Klimaanlage zu installieren und zu betreiben, sorgt die Dämmung selbst für ein passiv gekühltes, angenehmes Raumklima.

Wie schluckt die Masse der Holzfaser den Strassenlärm besser als leichte Schäume?

Neben dem Hitzeschutz bietet die Holzfaserdämmung einen weiteren, oft unterschätzten Vorteil: einen hervorragenden Schallschutz. Dieser Effekt beruht auf zwei komplementären Eigenschaften: der offenporigen Struktur und der hohen Masse. Während leichte Dämmstoffe wie Polystyrol-Schäume eine geschlossene Zellstruktur haben und Schallwellen eher reflektieren, funktioniert Holzfaser wie ein akustischer Schwamm.

Die mikroskopisch feine, unregelmässige Faserstruktur bricht die ankommenden Schallwellen und wandelt deren Energie durch Reibung in Wärme um. Dies ist besonders wirksam gegen Luftschall, wie er von Strassenverkehr, Flugzeugen oder lauten Nachbarn erzeugt wird. Doch die Holzfaser kann noch mehr. Ihre hohe Rohdichte – also die schiere Masse pro Volumen – wirkt effektiv gegen Körperschall. Das ist der Lärm, der durch direkte Anregung des Baukörpers entsteht, zum Beispiel das Prasseln von Regen oder Hagel auf dem Dachfenster oder dem Blechdach. Leichte Schäume haben hier kaum eine dämpfende Wirkung.

Makroaufnahme der porösen Struktur von Holzfaserdämmung zur Schallabsorption

Die Kombination dieser beiden Mechanismen macht den Unterschied. Eine Holzfaserdämmung sorgt nicht nur für thermische Behaglichkeit, sondern auch für eine spürbare akustische Ruhe. In einer immer lauter werdenden Umwelt wird diese Eigenschaft zu einem echten Luxus und einem starken Verkaufsargument für eine Immobilie. Gerade bei Dachausbauten in städtischen Gebieten oder in der Nähe von Verkehrswegen ist der verbesserte Schallschutz ein entscheidender Faktor für den Wohnkomfort.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Wer in Holzfaser investiert, kauft nicht nur eine Dämmung, sondern ein umfassendes Komfortpaket aus Hitze- und Lärmschutz, das die Lebensqualität im ausgebauten Dachgeschoss massiv steigert.

Hohlräume dämmen: Wann ist die Einblasdämmung mit Holzfaser die schnellste Lösung?

Nicht immer ist die Dämmung mit festen Platten die beste oder effizienteste Methode. Besonders bei der Sanierung von Altbauten, bei denen bestehende Hohlräume in Dach, Wand oder Decke nachträglich gedämmt werden sollen, zeigt die Einblasdämmung mit Holzfaserflocken ihre Stärken. Dieses Verfahren ist oft die schnellste, sauberste und kostengünstigste Lösung, um eine lückenlose Dämmschicht zu erzeugen.

Das Prinzip ist einfach: Anstatt die gesamte Verkleidung zu entfernen, werden nur kleine Öffnungen geschaffen. Durch diese wird die lose Holzfaserdämmung mit einer speziellen Maschine in die Gefache eingeblasen. Das Material verteilt sich dabei perfekt, füllt jeden Winkel aus und vermeidet so die Entstehung von Wärmebrücken, die bei ungenau zugeschnittenen Platten ein häufiges Problem darstellen. Die bestehende Optik des Gebäudes, sei es eine Holzfassade oder ein Innenverputz, bleibt dabei vollständig erhalten.

Die Einblasdämmung ist besonders dann die ideale Lösung, wenn:

  • der Zugang zu den Hohlräumen schwierig ist,
  • unregelmässige Gefachabstände eine Plattendämmung erschweren,
  • die Sanierung schnell und mit minimalem Eingriff in die Bausubstanz erfolgen soll,
  • eine fugenlose Dämmschicht oberste Priorität hat.

In der Schweiz hat sich dieses Verfahren etabliert, da es gerade bei der energetischen Sanierung des grossen Altbaubestands enorme Vorteile bietet. Die Durchführung bei einem Einfamilienhaus dauert oft nur einen Tag und erfordert in der Regel kein teures Gerüst. Mit Kosten ab etwa 25 CHF pro Quadratmeter und einer Amortisation durch Heizkosteneinsparungen nach nur 3-6 Jahren ist es auch wirtschaftlich äusserst attraktiv.

Zudem ist wichtig zu wissen, dass viele Kantone die Einblasdämmung im Rahmen ihrer Gebäudeprogramme fördern. Dies senkt die anfängliche Investition weiter und macht die Entscheidung für eine hochwertige, ökologische Dämmung noch einfacher.

Der Irrtum, dass Holzfaser bei Feuchtigkeit sofort verrottet – Diffusionsoffenheit erklärt

Ein hartnäckiges Vorurteil gegenüber Naturdämmstoffen ist die Angst vor Feuchtigkeit und Schimmel. Man hört oft: „Holz und Wasser, das geht doch nicht gut.“ Bei einer modernen Holzfaserdämmung ist diese Sorge unbegründet. Das Geheimnis liegt in einer Eigenschaft namens Diffusionsoffenheit. Im Gegensatz zu geschlossenen Systemen wie Styropor (EPS/XPS), die Feuchtigkeit einschliessen, kann eine Holzfaserdämmung Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, ohne ihre Dämmwirkung zu verlieren oder Schaden zu nehmen.

Stellen Sie sich die Dämmung wie eine atmungsaktive Funktionsjacke vor. Sie schützt vor Wind und Wetter, lässt aber Wasserdampf von innen nach aussen entweichen. Genau das macht eine diffusionsoffene Konstruktion. Eine Holzfaserdämmung kann bis zu 15% ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und langsam wieder an die Umgebung abgeben. Dies wirkt wie ein Puffer für die Luftfeuchtigkeit und sorgt für ein ausgeglichenes, gesundes Raumklima.

Diese Fähigkeit ist eine Art „Versicherung“ für die Bausubstanz. Kleine, unentdeckte Undichtigkeiten in der Dampfbremse oder extreme Wetterereignisse können dazu führen, dass Feuchtigkeit in die Konstruktion gelangt. Bei einer Styropordämmung wird diese Feuchtigkeit eingeschlossen. Die Folge kann verheerend sein: Schimmelbildung, Fäulnis der Holzkonstruktion und massive Bauschäden. Eine Holzfaserkonstruktion hingegen kann diese Feuchtigkeit „verdauen“ und austrocknen, wodurch die gesamte Konstruktion geschützt wird.

Querschnitt einer diffusionsoffenen Wandkonstruktion mit Holzfaserdämmung

Die Diffusionsoffenheit ist also kein Risiko, sondern ein entscheidender Sicherheitsvorteil. Sie macht die gesamte Dach- oder Wandkonstruktion fehlertoleranter und langlebiger – ein unschätzbarer Vorteil, der die Robustheit des gesamten Gebäudes über Jahrzehnte sichert.

Probleme bei der Entsorgung vermeiden: Warum ist Holzfaser zukunftssicherer als Polystyrol?

Bei der Wahl eines Dämmstoffs denken die wenigsten an das Ende seines Lebenszyklus. Doch genau hier verbirgt sich eine massive Kostenfalle, die Polystyrol (Styropor) zu einer riskanten Wahl für die Zukunft macht. Während heute der Fokus auf den Anschaffungskosten liegt, werden die Entsorgungskosten in den kommenden Jahren aufgrund verschärfter Umweltgesetze in der Schweiz drastisch steigen.

Das Hauptproblem bei Polystyrol ist seine Klassifizierung. Insbesondere ältere Platten, die das Flammschutzmittel HBCD enthalten, müssen als Sondermüll entsorgt werden. Dies ist extrem teuer. Aber auch neuere, verklebte Dämmsysteme (WDVS) sind schwer zu recyceln, da die Trennung der Materialien aufwendig bis unmöglich ist. Der grösste Teil landet in der Verbrennung oder auf Deponien – eine ökologische und ökonomische Sackgasse.

Studie zur Entsorgung: Ein Blick in die Zukunft

Ein direkter Kostenvergleich zeigt die langfristigen Vorteile der Holzfaser. Während Polystyrol-Dämmung als Sondermüll mit hohen und steigenden Kosten entsorgt werden muss, sind die Wege für Holzfaser klar und nachhaltig. Unbelastete Holzfaserdämmplatten können recycelt und zu neuen Platten verarbeitet, kompostiert oder CO2-neutral zur Energiegewinnung thermisch verwertet werden. Diese Kreislauffähigkeit macht Holzfaser zu einer zukunftssicheren Wahl, die vor explodierenden Entsorgungskosten schützt und im Einklang mit den Schweizer Umweltzielen steht.

Die Entscheidung für Holzfaser ist somit auch eine strategische Entscheidung für die Zukunftssicherheit der Immobilie. Ein Gebäude, das mit kreislauffähigen Materialien gebaut oder saniert wurde, hat nicht nur einen geringeren ökologischen Fussabdruck, sondern auch einen höheren Wiederverkaufswert. Potenzielle Käufer und neue Vorschriften werden in Zukunft immer stärker auf die „Entsorgungs-Hypothek“ eines Hauses achten. Wer heute auf Holzfaser setzt, vermeidet die teuren Altlasten von morgen.

Die Investition in einen natürlichen, wiederverwertbaren Dämmstoff ist daher nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch eine kluge wirtschaftliche Entscheidung, die sich über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes auszahlt.

Warum ist importiertes Holz trotz tieferem Preis ökologisch oft eine Mogelpackung?

Der Begriff „Holzfaser“ suggeriert automatisch Nachhaltigkeit. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die ökologische Bilanz eines Holzprodukts hängt massgeblich von seiner Herkunft ab. Günstige Holzfaserplatten aus dem Ausland können sich schnell als ökologische Mogelpackung entpuppen. Der Grund dafür sind lange Transportwege und oft unklare Standards bei der Waldbewirtschaftung.

Holz, das per LKW über tausende Kilometer durch Europa transportiert wird, verliert einen Grossteil seines Vorteils als CO2-Speicher. Die bei der Herstellung und dem Transport entstehenden Emissionen können die positive Klimabilanz des Rohstoffs zunichtemachen. Zudem entsprechen die Forstgesetze in anderen Ländern nicht immer den strengen Schweizer Standards, was zu Raubbau und nicht nachhaltiger Bewirtschaftung führen kann. Wer also wirklich ökologisch bauen will, muss auf die regionale Herkunft achten.

Ausgangsmaterial für Lignatherm-Produkte sind Hackschnitzel – ein Nebenprodukt, das in unseren Sägewerken anfällt. Ein teurer Rohstoffeinkauf entfällt auf diese Weise, und die Transportwege bleiben kurz.

– Schilliger Holz AG, Produktinformation Lignatherm

Führende Schweizer Hersteller wie Schilliger zeigen, wie es richtig geht. Für ihre Dämmplatten verwenden sie zu 100% Schweizer Holz, das als Nebenprodukt in lokalen Sägewerken anfällt. Dieses Modell ist doppelt intelligent: Es vermeidet Abfall, sorgt für extrem kurze Transportwege und stärkt die lokale Wertschöpfungskette. Der vermeintlich höhere Preis von Schweizer Holzfaser relativiert sich, wenn man die „graue Energie“ für den Transport und die Garantie für nachhaltige Forstwirtschaft mit einberechnet.

Für Bauherren und Handwerker in der Schweiz bedeutet dies: Fragen Sie nach der Herkunft des Holzes. Ein Produkt mit dem Label „Schweizer Holz“ ist nicht nur ein Bekenntnis zur Heimat, sondern auch die sicherste Garantie für eine wirklich positive Ökobilanz.

Nullenergie oder Passivhaus: Welcher Standard passt zu Ihrem Budget und Standort?

Eine hochwertige Dämmung ist kein Selbstzweck, sondern ein entscheidendes Mittel, um hohe energetische Standards zu erreichen. In der Schweiz sind die Minergie-Standards der Massstab für energieeffizientes Bauen und Sanieren. Die Wahl des richtigen Dämmstoffs, wie der Holzfaser, ist oft die Voraussetzung, um diese Labels und die damit verbundenen Fördergelder überhaupt zu erhalten.

Die Minergie-Familie bietet verschiedene Stufen, je nach Ambition und Budget des Projekts:

  • Minergie: Der Basis-Standard für Neubau und Sanierung, der einen hohen Komfort und eine gute Energieeffizienz garantiert.
  • Minergie-P: Dieser Standard entspricht dem Passivhaus-Niveau. Er erfordert eine exzellente Gebäudehülle mit erstklassiger Dämmung und eine Komfortlüftung. Hier ist eine leistungsfähige Holzfaserdämmung oft unerlässlich.
  • Minergie-A: Das Plusenergie-Gebäude. Es produziert mehr Energie, als es verbraucht, meist durch eine grosse Photovoltaikanlage. Eine hocheffiziente Dämmung ist die Grundlage dafür.

Die Entscheidung für einen Minergie-Standard ist auch eine finanzielle. Das nationale Gebäudeprogramm und die meisten Kantone unterstützen Sanierungen nach Minergie grosszügig. Die Förderung für Minergie-Sanierungen beträgt mindestens 40 CHF pro m² Energiebezugsfläche, oft sogar mehr. Diese Subventionen können einen erheblichen Teil der Mehrkosten für eine hochwertige Dämmung decken und machen die Investition noch rentabler.

Die folgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick über die wichtigsten Minergie-Standards in der Schweiz und ihre Anforderungen, die direkt durch die Wahl des Dämmmaterials beeinflusst werden.

Minergie-Standards im Vergleich
Standard Anforderungen Förderung Gebäudeprogramm Eignung
Minergie Basis-Standard für Komfort und Effizienz Grundförderung Neubau und Sanierung
Minergie-P Erhöhte Anforderungen, Passivhaus-Niveau Erhöhte Förderung Ambitionierte Projekte
Minergie-A Plus-Energie-Gebäude Maximale Förderung Innovative Neubauten

Für einen Dachstock-Ausbauer bedeutet das: Eine Sanierung mit Holzfaser, die den Minergie-Standard erreicht, ist nicht nur technisch überlegen, sondern oft auch finanziell attraktiver als eine Billiglösung ohne Förderberechtigung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für den sommerlichen Hitzeschutz ist die Phasenverschiebung (thermische Trägheit) der Holzfaser wichtiger als der reine U-Wert von Styropor.
  • Die Diffusionsoffenheit der Holzfaser wirkt als „Versicherung“ gegen Bauschäden durch Feuchtigkeit und sorgt für ein gesünderes Raumklima.
  • Die wahren Kosten eines Dämmstoffs umfassen auch die Entsorgung. Holzfaser ist als kreislauffähiger Naturstoff zukunftssicher, während Styropor zur teuren Sondermüll-Falle werden kann.

Warum sollten Sie trotz Mehrkosten auf das Label „Schweizer Holz“ für Ihr Dachgestühl setzen?

Die Entscheidung für Holz aus der Schweiz ist mehr als nur ein patriotisches Bekenntnis. Es ist eine rationale Entscheidung, die auf ökologischen, ökonomischen und qualitativen Vorteilen beruht. Das Label „Schweizer Holz“ (Lignum-Herkunftszeichen) ist ein Garant dafür, dass das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt, strenge Umwelt- und Sozialstandards eingehalten und die Transportwege minimiert wurden. Gerade für einen Profi ist dieses Label ein starkes Qualitäts- und Vertrauenssignal an den Kunden.

Die Unterstützung der lokalen Forstwirtschaft und der Sägereien in Regionen wie dem Emmental oder Graubünden sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch die Versorgungssicherheit. Die Abhängigkeit von volatilen internationalen Lieferketten wird reduziert – ein Faktor, der in den letzten Jahren immer wichtiger geworden ist. Zudem erfüllt man mit Schweizer Holz automatisch und ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand die Anforderungen der Schweizer Holzhandelsverordnung (HHV), die den Handel mit illegal geschlagenem Holz unterbindet.

Das Wissen, dass das Holz des eigenen Daches aus einem nahegelegenen Wald stammt und die lokale Wirtschaft in Regionen wie dem Emmental oder Graubünden stärkt, schafft eine tiefere Verbindung zum eigenen Zuhause – ein Faktor, der sich in höherer Kundenzufriedenheit und Wertschätzung niederschlägt.

– Erfahrung mit regionalem Holzeinkauf, Lignum Journal Holz News Schweiz

Letztlich geht es um einen nicht messbaren, aber unschätzbaren Wert: die Authentizität und die Geschichte, die das Material erzählt. Ein Dachstock aus Holz, dessen Ursprung man kennt, schafft eine völlig andere Identifikation und Wertschätzung als ein anonymes Industrieprodukt. Dieser emotionale Faktor ist oft das Zünglein an der Waage, das einen Kunden überzeugt und langfristig zufriedenstellt.

Ihr Prüfplan für den Einsatz von Schweizer Holz

  1. Herkunft prüfen: Fragen Sie Ihren Lieferanten explizit nach dem Label „Schweizer Holz“ und lassen Sie sich die Zertifizierung für das gesamte verwendete Holz (Dachstuhl und Dämmung) bestätigen.
  2. CO2-Bilanz bewerten: Berücksichtigen Sie die kurzen Transportwege in Ihrer Ökobilanz. Dies kann ein starkes Argument für Bauherren sein, die Wert auf Nachhaltigkeit legen.
  3. Lokale Wertschöpfung aufzeigen: Kommunizieren Sie aktiv, dass die Investition lokale Arbeitsplätze in der Schweizer Forst- und Holzwirtschaft sichert.
  4. Qualitätsstandards garantieren: Verweisen Sie auf die Einhaltung der strengen Schweizer Umwelt- und Sozialstandards als Qualitätsmerkmal gegenüber Importware.
  5. Versorgungssicherheit planen: Nutzen Sie die Unabhängigkeit von internationalen Lieferketten als Argument für Termintreue und Planungssicherheit bei Ihrem Bauvorhaben.

Die Entscheidung für Schweizer Holz ist eine strategische Weichenstellung. Um die langfristigen Vorteile vollständig zu nutzen, ist es entscheidend, die Kriterien dieses Qualitätslabels zu verstehen und aktiv einzufordern.

Für Ihr nächstes Projekt ist die Evaluation von Dämmstoffen aus Schweizer Holz daher nicht nur eine ökologische Option, sondern ein kluger Schachzug, um Qualität, Nachhaltigkeit und Kundenzufriedenheit zu maximieren.

Häufige Fragen zu Lohnt sich der Mehrpreis von Holzfaserdämmung gegenüber Styropor für den sommerlichen Hitzeschutz?

Was passiert mit Holzfaserdämmung nach der Nutzung?

Holzfaserdämmung kann zu neuen Platten verarbeitet, als Einblasdämmung wiederverwendet oder kompostiert werden. Im schlimmsten Fall kann sie CO2-neutral thermisch verwertet werden, was sie zu einem Teil der Kreislaufwirtschaft macht.

Welche Probleme gibt es bei der Styropor-Entsorgung?

Mit Flammschutzmitteln wie HBCD behandeltes Styropor muss als Sondermüll teuer in speziellen Anlagen entsorgt werden. Recycling ist nur für sortenreines, unverklebtes Material begrenzt möglich, was in der Baupraxis selten der Fall ist.

Wie entwickeln sich die Entsorgungskosten?

Aufgrund knapper werdender Deponiekapazitäten und strengerer Umweltauflagen ist mit einem drastischen Anstieg der Entsorgungskosten für Bauschutt, insbesondere für nicht recyclingfähige Verbundsysteme mit Styropor, in den nächsten Jahren zu rechnen.

Geschrieben von Lukas Bieri, Eidgenössisch diplomierter Architekt ETH/SIA und Bauherrenberater mit Fokus auf nachhaltiges Bauen, Minergie-Standards und Smart-Home-Integration. Experte für Baurecht, Kostenplanung und komplexe Sanierungen im Schweizer Mittelland und Alpenraum.